Feb 282013
 

Mechanischer Einbruchschutz von Türen, Fenstern und Fenstertüren

In unserer Artikelserie zum Thema Einbruchschutz und sicheres Wohnen, stellen wir verschiedene Maßnahmen vor, mit denen man die Sicherheit in den eigenen vier Wänden erhöhen kann.

mechanischer Einbruchsschutz - Titelbild: Haus mit Vorhängeschloss

Thorben Wengert / pixelio.de

Im ersten Artikel der Serie haben wir uns mit Verhaltensmaßnahmen zur Prävention von Einbrüchen befasst. Im zweiten Teil ging es um den Nutzen von Alarmanlagen.

Diesmal befassen wir uns mit der mechanischen Sicherung von Türen, Fenstern und anderen Einbruchsschwer- bzw. Schwachpunkten. Der mechanische Einbruchschutz umfasst einbruchhemmende Elemente und enthält, neben vielem anderen, bei Türen beispielsweise Sicherheitsschloss und Schutzbeschlag, bei Fenstern einbruchhemmende Fensterbeschläge und Sicherheitsglas. Unsere Ausführungen sind auf alle Arten von Häusern anwendbar. Wir gehen aber in einigen Punkten auf die spezielle Situation bei Bungalows ein.

 

 

Was ist mechanischer Einbruchschutz

Das Ziel von mechanischem Einbruchschutz ist e,s das Eindringen in ein Objekt durch Unbefugte zu verhindern oder zumindest erheblich zu erschweren. Jede verschlossene Tür oder Fenster stellt daher schon eine Art von mechanischer Sicherung dar. Die entscheidende Frage ist aber, wie effektiv die jeweilige Tür, Fenster oder jeder sonstige verschlossene bzw. gesicherte Zugang den Einbrecher aufhalten kann.

Dieses Video einer Schweizer Firma für Einbruchschutztechnik zeigt eindrucksvoll wie schnell und problemlos schwach gesicherte Zugänge auch mit einfachem Einbruchwerkzeug überwunden werden können:


 

Einbruchsschwerpunkte und Schwachstellen

In diesem Video wurde außerdem auf verschiedene Einbruchsschwerpunkte bzw. Schwachstellen am Haus hingewiesen. Dies waren die Haustür, Fenster im Erdgeschoss, Fenstertüren etwa zu einer Terrasse oder dem Garten und Kellerfenster, die durch einen ungesicherten Lichtschacht erreicht werden können. Dies deckt sich mit den Zahlen der „Kölner Studie 2001“, in der die Wohnungseinbruchkriminalität der Stadt Köln untersucht wurde. Folgende Stellen am Haus wurden bei Einbrüchen und Einbruchsversuchen am häufigsten angegeriffen.

Einfamilienhäuser

Terrassen-/Balkontüren 52,05%
Fenster 26,49%
Haustüren 13,88%
Kellerfenster/Kellertüren 6,93%
Sonstige 0,31%

 

Gerade Terassen- und Balkontüren sowie Fenster sind bei Einbrechern besonders beliebte Angriffsziele. Vermutlich da sie an Stellen liegen, die schlechter einsehbar sind (etwa hinter dem Haus im Garten). Außerdem ist eine Terassentür oftmals wesentlich schlechter gesichert als die Haustür.

Die Polizei Bremen empfiehlt daher in einer Broschüre Fenster und Fenstertüren, die von außen ohne besondere Hilfsmittel erreichbar sind, durch den Einbau geprüfter einbruchhemmender Fenster und Fenstertüren in der Widerstandsklasse (WK) 2 abzusichern. Türen, etwa die Haustür, sollten mindestens einen Einbruchsschutz der Widerstandsklasse (WK) 2 aufweisen.

 

Wiederstandsklassen, Widerstandszeit und Tätertyp

Die Norm EN 1627 definiert Widerstandsklassen basierend auf der Widerstandszeit, die ein bestimmtes Produkt einem Einbrecher standhält, dem Tätertypen und der Vorgehensweise bzw. dem eingesetzten Werkzeug des Täters. Einen guten Überblick über die verschiedenen Klassen und ihre Eigenschaften vermittelt diese Wikipedia-Seite.

 

Die von der Polizei Bremen empfohlene Wiederstandsklasse RC 2 (alt WK 2) ist beispielsweise so definiert:
“Der Gelegenheitstäter versucht, zusätzlich mit einfachen Werkzeugen, wie Schraubendreher, Zange und Keil, das verschlossene und verriegelte Bauteil aufzubrechen.” Bei Fenstern bzw. Fenstertüren erfordert die Klasse außerdem das Vorhandensein von einbruchshemmender Verglasung. Die Wiederstandszeit der Bauteile muss bei dem oben beschriebenen Täter und Vorgehen mindestens 3 Minuten betragen.

 

Wir empfehlen bei Personen ohne besondere Bedrohnungslage eine mechanische Sicherung der Hauptangriffsstellen, mindestens auf dem Niveau RC 3 (alt WK 3). Diese Wiederstandsklasse ist so definiert:
“Der gewohnt vorgehende Täter versucht zusätzlich mit einem zweiten Schraubendreher und einem Kuhfuß, das verschlossene und verriegelte Bauteil aufzubrechen.” Für die Verglasung gilt das Gleiche wie in der Wiederstandsklasse RC 2 (alt WK 2). Das Bauteil muss dem Angriff mindestens 5 Minuten wiederstehen können.

Der Grund, weshalb wir von der Empfehlung etwa der Polizei Bremen abweichen, ist folgender: RC 2 (alt WK 2) bietet nur gegen einfache Werkzeuge einen Einbruchschutz und diesen auch nur für mindestens 3 Minuten. Auch wenn die meisten Einbruchsversuche bei Schwierigkeiten, die Sicherungen zu überwinden relativ schnell abgebrochen werden, erscheinen 3 Minuten doch relativ kurz. RC 3 (alt WK 3) hingegen bietet auch bei Enbrechern mit effektiverem Werkzeug, etwa einem der Brechstange ähnlichem Kuhfuß, eine Wiederstandszeit von mindestens 5 Minuten. Setzt der Einbrecher beispielsweise eine Brechstange gegen eine lediglich auf dem Niveau RC 2 (alt WK 2) gesicherte Tür ein, ist diese wahrscheinlich in sekundenschnelle geöffnet. Natürlich wird eine RC 3 (alt WK 3) gesicherte Tür mit Werkzeugen wie Winkelschleifer, Schlagaxt und/oder Bohrmaschine von Einbrechern ebenfalls recht schnell geöffnet werden können. Der Lärm ist aber enorm und der Transport zum Tatort gestaltet sich deutlich schwieriger.

 

Besonderheiten des mechanischen Einbruchschutz bei Bungalows

  • Bei einem Bungalow sind das Dach und damit auch die Dachfenster leichter zu erreichen als bei den meisten anderen Häusern. Dachfenster sind also in das Sicherheitskonzept unbedingt miteinzubeziehen.
  • Bungalows stehen in der Regel auf einem vergleichsweise großen Grundstück. Anders als bei z.B. einem klassischen Reihenhaus, wohnt “der Nachbar” weiter entfernt. Der Einbrecher wird die Wahrscheinlichkeit bei seinem Tun gehört oder gesehen zu werden daher geringer einschätzen und sich mehr Zeit nehmen. Dementsprechend sollte auch die mechanische Einbruchssicherung umfangreicher sein.

 

Weitere Artikel aus dieser Serie:

Einbruchschutz für Ihren Bungalow – Teil 1: Verhaltensregeln zur Einbruchsprävention

Einbruchschutz für Ihren Bungalow – Teil 2: Die Alarmanlage

 

 

Weitere Quellen und Linkempfehlungen:

http://www.nicht-bei-mir.de/

http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/diebstahl-und-einbruch/einbruchsdiebstahl.html

Verfasst von: Christian

Hallo, ich bin Christian, Mitarbeiter bei Bungalow-Bauen.com und habe bisher 26 Artikel für diesen Blog geschrieben. Mehr Information über meine Tätigkeit finden Sie hier

  Eine Antwort zu “Einbruchschutz für Ihren Bungalow – Teil 3: mechanischer Einbruchschutz”

  1. Super informativ – Mit dem Video zusammen das Beste was ich zum Thema mechanischer Einbruchschutz bisher im Internet gesehen habe. FR

 Antworten

(erforderlich)

(erforderlich - wird nicht veröffentlicht)